Zuhause in Franken und karnevalistisch geprägt durch mein Studium im Rheinland, kenne ich beide Extreme des närrischen Spektrums. Im Rheinland feiert man, als gäbe es kein Morgen — in Franken hingegen so, als gäbe es keinen Karneval. Dort gehört eine stabile Skepsis, auch dem Karneval gegenüber, fast zur Grundausstattung der regionalen Mentalität. Und so teilt sich Deutschland zur Faschingszeit in mehrere Paralleluniversion auf.
Fasching in Franken
Diese Gegensätze zeigen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Fest in verschiedenen Regionen begangen wird. Und genau deshalb lohnt sich ein Blick nach Frankreich, wo Karneval ebenfalls ganz unterschiedliche Formen annimmt.
Nizza — Karneval an der Côte d’Azur
Der Karneval von Nizza gehört zu den bekanntesten Festen seiner Art in Europa. Jedes Jahr steht er unter einem neuen Motto, das sich in riesigen Figuren, thematischen Wagen und aufwendig gestalteten Paraden widerspiegelt.
Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Blumenschlachten. Von prachtvoll geschmückten Wagen werden frische Blumen in die Menge geworfen — ein farbenfrohes Ritual, das die Verbindung von Natur, Fest und mediterraner Lebensart sichtbar macht.
Wenn abends die Beleuchtung angeht und die Paraden durch die Straßen ziehen, wirkt die Stadt selbst wie Teil der Inszenierung.
Menton — Die Magie der Zitrusfrüchte
In Menton nimmt der Karneval eine ganz eigene Form an. Hier entstehen monumentale Skulpturen aus Zitronen und Orangen, sorgfältig arrangiert zu Figuren, Gebäuden und Fantasiewelten.
Der Duft von Zitrusfrüchten begleitet die Besucher durch Gärten und entlang der Paraden. Das Fest verbindet Handwerk, Kunst und Natur auf ungewöhnliche Weise und verleiht dem Karneval eine fast märchenhafte Atmosphäre. Was hier entsteht, ist vergänglich — und gerade darin liegt ein Teil seines Reizes.
Karneval in Frankreich
Dunkerque— Tradition und Gemeinschaft im Norden
Im nordfranzösischen Dunkerque zeigt sich Karneval von einer besonders herzlichen und volkstümlichen Seite. Historische Bezüge zur Seefahrt prägen die Feierlichkeiten, und viele Teilnehmende tragen traditionelle Kleidung. Ein Höhepunkt ist das berühmte Heringswerfen vom Balkon des Rathauses — ein Ritual, das gleichermaßen humorvoll und verbindend wirkt. Hier steht weniger das Spektakel im Vordergrund als das gemeinsame Erleben und die lange gewachsene Tradition.
Ein Fest der Vielfalt
Karneval in Frankreich lässt sich nicht auf eine einzige Form reduzieren. Zwischen Mittelmeerküste und Nordsee entstehen sehr unterschiedliche Ausdrucksweisen desselben Festgedankens. Mal stehen visuelle Pracht und künstlerische Gestaltung im Mittelpunkt, mal Gemeinschaft und Tradition. Gerade diese Vielfalt macht den französischen Karneval so besonders.
Ostern – für viele deutschsprachige Familien ein fester Termin im Jahreskreis, der Kindheitserinnerungen an Schokolade, Frühlingsblumen und natürlich an den Osterhasen weckt. Doch wie sieht das eigentlich auf der anderen Seite des Rheins aus? Wie feiern französische Familien das Osterfest – Pâques? Und vor allem: Existiert der Osterhase in Frankreich überhaupt?
Als Übersetzerin mit Schwerpunkt Deutsch-Französisch liebe ich es, kulturelle Unterschiede zu entdecken – und genau deshalb nehme ich Sie in meinem Blog mit auf eine kleine Reise durch das französische Jahr. Heute: Ostern!
Wer bringt in Frankreich die Ostereier?
In Deutschland hoppelt der Osterhase durch Gärten und Wohnungen und versteckt eifrig bunte Eier. In Frankreich ist das anders. Dort bringen die cloches de Pâques – die „Osterglocken“ – die Schokoladeneier. Ja, richtig gelesen: Glocken!
Laut französischer Tradition fliegen die Kirchenglocken am Karfreitag (Vendredi saint) nach Rom – und kehren erst am Ostersonntag zurück, beladen mit Süßigkeiten und Geschenken. Wenn sie über Frankreich hinwegfliegen, lassen sie diese als Überraschung in die Gärten fallen – sehr zur Freude der Kinder.
Und was ist mit dem Osterhasen?
Den klassischen „deutschen“ Osterhasen kennt man in Frankreich auch – aber er spielt eine deutlich geringere Rolle. In einigen Regionen in der Nähe der deutsch-französischen Grenze, vor allem im Elsass und in Teilen Lothringens, ist der Osterhase stark vertreten. Insgesamt bleiben in Frankreich aber die fliegenden Glocken die Hauptakteure.
Kulinarisches rund um Ostern
Wie in Deutschland ist auch in Frankreich das Osterfest ein kulinarisches Highlight. Traditionell gibt es oft Lammbraten – le gigot d’agneau – mit grünen Bohnen oder Kartoffeln. Auch Schokolade spielt eine große Rolle, doch die Formen unterscheiden sich: In den französischen Pâtisserien und Supermärkten findet man nicht nur Schokohasen und Ostereier, sondern auch Fische aus Schokolade (fritures de Pâques), Schokohennen (poules de Pâques) – und natürlich Glocken.
Fazit: Ein Fest, zwei Kulturen
Während in Deutschland der Hase hoppelt, klingen in Frankreich also die Glocken – und beide Bräuche haben ihren ganz eigenen Zauber. Für uns in der Übersetzungswelt ist genau dieser kulturelle Reichtum das Spannende – und der Grund, aus dem wir unsere Arbeit lieben. In diesem Sinne: Joyeuses Pâques – frohe Ostern!
Keine Lust, vor dem Wahllokal Schlange zu stehen? Dann stellen Sie sich vor, Sie wären Franzose. In diesem Fall müssten Sie im Wahljahr nämlich viermal zur Urne. Wenn Sie also das Gefühl hatten, 2017 wurde ununterbrochen über die Wahlen in Frankreich berichtet – dann hat sie dieses Gefühl nicht getrogen. Doch weshalb brauchen unsere französischen Nachbarn vier Wahlgänge und wir nur einen?
Einen zusätzlichen Urnengang benötigen die Franzosen allein deshalb, weil in Frankreich Staatschef und Parlament getrennt gewählt werden. Hier „sparen“ wir in Deutschland schon mal einen Wahlgang ein: In Deutschland wählen wir den Bundestag, und dieser wählt den Bundeskanzler. In Frankreich wurde 1962 per Referendum entschieden, dass der Staatspräsident vom Volk direkt gewählt wird. Initiiert wurde diese Abstimmung von Charles de Gaulle. Für ihn war die Präsidentschaftswahl laut dem berühmten ihm zugeschriebenen Zitat la rencontre d’un homme et d’un peuple: die Begegnung zwischen einem Mann und einem Volk.
Dieses Zitat umreißt den großen Vorteil, den die Direktwahl für den Präsidenten hat: Er ist ganz klar – eben direkt – durch das Volk legitimiert. Doch auch für den Wähler hat das System der separaten Wahlen Vorteile: Er kann zwischen Partei und Präsidentschaftskandidat trennen. Wer bei uns SPD wählt, wählt Schulz. Wer Merkel wählen will, muss CDU wählen. Ein großer Nachteil des französischen Systems war lange Zeit das Auftreten von Cohabitations. Gehört der Präsident einer anderen Partei an als die Parlamentsmehrheit, und das ist bei diesem System möglich, können sich die beiden Institutionen äußerst erfolgreich blockieren. Früher fanden die Parlamentswahlen alle 5 Jahre statt, die zum Präsidentenamt alle 7 Jahre. Und in zwei Jahren konnte sich der Wählerwille schon mal ordentlich drehen. Inzwischen hat man das Risiko einer Cohabitation minimiert, indem man den Rhythmus der Präsidentschaftswahl auch auf 5 Jahre festlegte. Die „Nebenwirkung“: Jedes Wahljahr wird zum Superwahljahr, in dem Präsident und Nationalversammlung gewählt werden müssen.
Wie werden aus diesen beiden Wahlen nun vier? Ganz einfach: Für beide Wahlen werden je zwei Durchgänge benötigt.
Der Präsident muss durch eine absolute Mehrheit legitimiert werden, und die hat noch kein Kandidat im ersten Wahldurchgang erreicht. Deshalb wird als zweiter Schritt eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen durchgeführt.
Auch die Wahlen zur Nationalversammlungen bestehen aus zwei Runden. Denn auch bei dieser Wahl wählen die Franzosen keine Parteien, sondern Personen. In Deutschland haben wir ja ein Verhältniswahlrecht: Jede Partei erhält so viel Sitze, wie es ihrem Anteil an den Stimmen entspricht (wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde geknackt hat). Dafür brauchen wir nur einen Wahldurchgang. In Frankreich jedoch gilt ein Mehrheitswahlrecht. Das Land ist in 557 Wahlkreise unterteilt, jeder Wahlkreis entsendet einen Abgeordneten. Jetzt wäre es theoretisch möglich, einfach nur einen Durchgang zu veranstalten und den Kandidaten, der dabei die meisten Stimmen bekommt, in das Parlament zu entsenden. So laufen beispielsweise die Wahlen zum britischen Unterhaus ab. Doch in Frankreich gewinnt im ersten Durchgang auch bei den Parlamentswahlen nur ein Kandidat, der die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereint. Das kommt vor – aber selten. Deshalb gibt es in den meisten Wahlkreisen eine zweite Runde, in die alle Kandidaten einziehen, denen im ersten Wahlgang mindestens 12,5 % der eingeschriebenen Wähler ihre Stimme gegeben haben. Anders als bei den Präsidentschaftswahlen kann der Wähler im „second tour“ der Parlamentswahlen also eventuell zwischen mehr als zwei Kandidaten entscheiden; der Kandidat mit der relativen Mehrheit zieht dann in die Assemblée Nationale ein.
Das Mehrheitswahlrecht hat den Vor- und Nachteil, dass die stärksten Parteien überproportional viele Sitze erhalten. Deshalb standen sich auf der politischen Bühne unseres Nachbarlands bisher vor allem die beiden Volksparteien gegenüber, die Sozialisten und die Konservativen, oder einfach: la gauche et la droite. Da überrascht es nicht, dass sich die meisten Franzosen einem der beiden Lager zuordnen können: Sie können ganz klar sagen, ob sie de gauche oder de droite sind. Für eine kleinere Partei erschien es bisher unmöglich, die Mehrheit im Parlament zu erlangen, bis Macron des Unmögliche gelang: Mit seiner erst vor Kurzem gegründeten Partei La République en Marche eroberte er nicht nur das Präsidentenamt, sondern auch die Mehrheit der Parlamentssitze. Ein politisches jamais vu.
Der sicher geringste Nachteil des Mehrheitswahlrechts betrifft die Sonntage der Franzosen. Davon müssen sie folglich insgesamt vier opfern, möchten sie ihren Bürgerpflichten nachkommen. In Zeiten immer größerer Politikverdrossenheit mag das dazu beitragen, dass die Wahlbeteiligung in den Keller geht. Im ersten tour der Parlamentswahlen stimmten 2017 nicht einmal die Hälfte der Franzosen ab. Und im zweiten Wahlgang erreichte die Wahlbeteiligung ein trauriges Rekordtief von 43 Prozent.
Wir in Deutschland dagegen müssen nur einmal den Gang ins Wahllokal antreten. Das ist zu schaffen, und wenn das sonnige Herbstwetter auch noch so günstig für einen Ganztagesausflug wäre. Und, was noch viel wichtiger ist: Wir dürfen diesen Gang frei antreten. Für die Bürger vieler anderer Länder gilt das nicht. Deshalb hoffe ich, dass wir am Sonntag nicht ein Rekordtief, sondern vielleicht sogar ein Rekordhoch der Wahlbeteiligung erleben werden.
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Verständigungsprobleme mit den französischen Fans?
1) Tor! — But !
2) Abseits! — Hors-jeu !
3) Einwurf! — Rentrée de touche !
4) Ecke! — Corner !
5) Ein Bier bitte! — Une bière, s’il vous plaît !
6) Foul! — Faute !
7) Freistoß! — Coup-franc !
8) Elfmeter! — Penalty !
9) Dieser Schiedsrichter ist eine Null! — Il est nul, cet arbitre !
10) Noch ein Bier bitte! — Encore une bière, s’il vous plaît !
11) Bitte entschuldigen Sie, mein Land ist Europameister geworden, wir haben die ganze Nacht durchgefeiert und finden unser Hotel nicht mehr. Der Name des Hotels ist … — Excusez-moi, mon pays vient de remporter l’Euro, on a fait la fête toute la nuit et maintenant, on n’arrive plus à retrouver notre hôtel. Le nom de l’hôtel est…
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