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Hakuna matata?

Hakuna matata – kein Problem! – steht auf dem Zaun an der Baustelle des neuen Strafjustizzentrums Nürnberg. Zutreffen dürfte das aber auf die wenigsten, die ihr Weg in den Gerichtssaal führt, ob als Angeklagter, Nebenkläger oder Zeuge. Umso wichtiger ist es, dass die Verdolmetschung keine zusätzlichen Probleme bereitet, wenn nicht alle Prozessbeteiligten Deutsch sprechen.

Baustelle des neuen Strafjustizzentrums Nürnberg

Schließlich geht das Recht auf eine korrekte Verdolmetschung sogar auf das Grundgesetz zurück. Dort ist festgelegt: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Ein anderssprachiger Prozessbeteiligter ist also möglichst in dieselbe Situation zu versetzen wie in deutscher Muttersprachler. Und das auch dann, wenn er anwaltlich vertreten ist – denn nur, wenn er in der Lage ist, das Prozessgeschehen zu verfolgen, kann er während der Verhandlung mit seinem Anwalt Rücksprache halten.

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) spricht sich deshalb dafür aus, primär allgemein bestellt und beeidigte Dolmetscher vor Gericht einzusetzen, also Dolmetscher, die eine qualifizierende Ausbildung durchlaufen haben. Nicht nur im Interesse unseres Berufsstands, sondern auch in dem der Prozessbeteiligten.

Damit sich der Dolmetscher auch dann, wenn Simultandolmetschen und die Übersetzung juristischer Fachbegriffe gefragt sind, noch denkt: Hakuna matata! (Oder zumindest: Dank meiner Ausbildung zu schaffen.)

Warum der Erikativ aus Franken kommt

Aus deutschen Wohnlandschaften nicht mehr wegzudenken: die Lustigen Taschenbücher in der Übersetzung von Erika Fuchs.
Aus deutschen Wohnlandschaften nicht mehr wegzudenken: die Lustigen Taschenbücher in der Übersetzung von Erika Fuchs.

Herbst. Die Freibäder haben geschlossen, die Weihnachtsmärkte noch nicht geöffnet. Die ideale Jahreszeit für einen Museumsbesuch! Da trifft es sich gut, dass in der Nähe von Nürnberg vor Kurzem das erste Museum Deutschlands, das ausschließlich einem Übersetzer – bzw. einer Übersetzerin – gewidmet ist, eröffnet hat.

Die Rede ist von Erika Fuchs, der Grande Dame der deutschen Comicübersetzung. Als Übersetzerin der Mickey-Maus-Magazine gestaltete sie die Entwicklung der deutschen Sprache mit – und das, obwohl sie das Angebot des Ehapa-Verlags zunächst entsetzt abgelehnt hatte. Donald Duck auf Deutsch? Konnte das funktionieren?

Ja, es konnte, denn Erika Fuchs übertrug das Original kongenial, vielleicht sogar mit mehr Sprachwitz als in der englischen Fassung. So bedient sich der arrivierte Dagobert einer grammatisch korrekten Sprache, genau wie Erika Fuchs‘ ostpreußische Großeltern. Die Panzerknacker scheinen sprachlich der Berliner Gosse entsprungen. Und Tick, Trick und Track? Die sprechen die deutsche Jugendsprache, die Erika Fuchs noch im hohen Alter in der Straßenbahn den Schülern ablauschte.

Sogar eine eigene Konjugationsform erfand Erika Fuchs: den Inflektiv, den alleinigen Gebrauch des Verbstamms. Jubel, jubel, klatsch! Die deutsche Sprache ist um eine Form reicher, zu Ehren ihrer Erfinderin auch Erikativ genannt.

Warum sich das Erika-Fuchs-Haus gerade in Schwarzenbach a. d. Saale befindet? Dort lebte die gebürtige Rostockerin und promovierte Kunsthistorikerin mit ihrem Mann Günter Fuchs, einem Maschinenbauingenieur, der Geschäftsführer der dort ansässigen SUMMA-Feuerungen war. So kommt es, dass Entenhausen im Fichtelgebirge liegt. Erika Fuchs übersetzte die englischen Ortsbezeichnungen nicht, sondern ersetzte sie mit Orten aus Oberfranken: Schnarchenreuth, Kleinschloppen oder Bobengrün finden sich nicht nur im Donald-Duck-Universum, sondern auch auf der fränkischen Landkarte.

Ein Grund mehr, diesem Museum bald einen Besuch abzustatten. Und sich vielleicht sogar, zum ersten Mal seit 30 Jahren, zu Weihnachten ein Lustiges Taschenbuch zu wünschen?

Freu!